Jüdisches Leben in Aue - Ein historischer Stadtrundgang
Projektbeschreibung
Jüdisches Leben in Aue - Ein historischer Stadtrundgang
Dr. Heinrich Mannes war einer der verfolgten jüdischen Menschen aus Aue. Er emigrierte nach Shanghai und kehrte nach dem Krieg in die Stadt zurück. Im November 1951 hielt er anlässlich des 13. Jahrestages der Novemberpogrome eine Rede, in der er sagte:
„In unserer Stadt lebten sie friedlich, arbeitsam und fleißig mitten unter uns. Wer von den Auern kannte sie nicht: die Familien Thorn, Schifftan, Rosenthal, Mattias, Liebler und Kaiser. Einst wurden sie abgeholt, und jeder für sich musste einen Weg gehen, den wir nicht einmal genau nachzeichnen und beschreiben können, den Weg der Vernichtung. Wohin sind sie gegangen, wo sind sie geblieben? Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht einmal, ob der, dem wir heute die Hand reichen, mitschuldig war. Wir haben vergeben, aber nicht vergessen.“
(zit. Nach Böhme, Herbert (2008): Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Seite 156).
Dieser Rundgang gibt einen Einblick in das Aue vor,
während und nach dem Novemberpogrom 1938 und soll an die jüdischen Bürger:innen in Aue erinnern. Er folgt ihren Spuren durch die Stadt und erzählt von den Schicksalen hinter den Hausfassaden.
Grundlage für die Erarbeitung ist der Text „Wo sind sie geblieben? Der Novemberpogrom 1938 und die Auer Juden. Eine dokumentarische Untersuchung“ von Herbert Böhme aus dem Jahr 1989. Dieser wurde an passenden Stellen durch weitere Erkenntnisse sowie durch historische Ansichten ergänzt.
Die Auswahl der Namen und Schicksale erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Als Stadtrundgang konzipiert, liegt der Fokus auf der Innenstadt. Weiterführende Informationen finden sich auch auf folgender Seite gedenkplaetze.info | Jüdische Geschichte*
Station 1 | Textilgeschäft Max Rosenthal - Altmarkt 3
Max Rosenthal (Bruder von Rosette Thorn) (* 23.05.1869 in Tschecheln, † 1942 in unbekannt)
Minna Rosenthal (geb. Neumann) (* 19.04.1873 in unbekannt,
† 29.09.1942 in Treblinka)
Zur Pogromnacht 1938 blickte die Familie Rosenthal bereits auf eine lange Handelstradition in Aue zurück. Von 1920 bis 1934 betrieben Max und Minna Rosenthal ihr Textilgeschäft am Altmarkt 3, zuvor hatten sie bereits ein kleines Warenhaus an der Wettinerstraße Ecke Carolastraße (heute Ernst-Bauch-Straße 2) geführt. 1938 unterhielten sie in ihrer Wohnung am damaligen Wettinerplatz 1 (heute Nr. 2) nur noch einen kleinen Textilhandel auf den Namen von Minna Rosenthal.
Am 9./10. November 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet und geplündert. Wie viele jüdische Männer wurde Max Rosenthal verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Nach seiner Entlassung wurden die Eheleute nach Zwickau zwangsumgesiedelt.
Im Jahr 1942 erfolgte die Deportation der Rosenthals nach Theresienstadt. Von dort verliert sich Max Rosenthals Spur. Minna Rosenthal wurde am 29.09.1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.
Station 2 | Altmarkt 5, siehe auch Station 8
Lina Kaiser (geb. Drucker) (* 02.04.1880 in Neuruppin, † 1942 in unbekannt)
Gerda Kaiser (* 10.10.1910 in Aue, † 1942 in unbekannt)
Bernd Ludwig Kaiser (* 1915 in Aue, † unbekannt)
Siegfried Kaiser führte am Altmarkt ein Geschäft für Damen- und Herrenkonfektion sowie Schuhwaren. Nach seinem Tod im Jahr 1918 übernahm seine Ehefrau Lina Kaiser die Geschäftsführung. Später arbeitete auch die gemeinsame Tochter Gerda im Geschäft mit. Wie das Leben der Familie weiterging, wird unter Station 8 beschrieben.